Nie im Leben würden wir auf die Idee kommen, ein Baby mit Parfum zu besprühen. Warum auch, schließlich duftet es so wunderbar zart und lecker… Sind wir den Windeln aber erst mal entwachsen, entwachsen wir auch schnell der Vorstellung, lediglich nach „Mensch“ riechen zu wollen. Da soll es dann gerne etwas „mehr“ sein! Im Meeting mit dem Chef wollen wir möglichst elegant und kompetent riechen, beim Sport darf´s gerne etwas frischer sein. Sinnlich dafür beim Candle-light-Dinner und möglichst blumig an einem Sommertag. Aber wo liegt eigentlich der Ursprung des Parfums? Eine kleine Spurensuche von Ägypten bis Korsika.

Und wieder beginnt alles mit Latein
Der sprachliche Ursprung des Begriffs „Parfum“ liegt in der lateinischen Sprache, in der „per fumum“ in etwa „durch den Rauch“ bedeutet. Hier wird deutlich, wo das Parfum von heute seinen Ursprung hat: Nämlich in kultischen Räucherritualen, durch die man mit den Göttern kommunizieren wollte. Einige mögen sich hierbei an die letzte Weihnachtsmesse erinnern, in der bei zu starkem Weihrauch-Einsatz schon mal der eine oder andere Gläubige von der Kirchenbank zu fallen gedenkt. Doch schon lange bevor es Kirchenbänke überhaupt gab, entwickelte sich im alten Ägypten die Nutzung von duftenden Ölen und Salben zu einem traditionellen Ritual zur Einbalsamierung der Toten. Über 5000 Jahre ist das bereits her. Man hoffte, den Verstorbenen so den Übergang ins Totenreich erleichtern zu können.

Parfums frivol und unkeusch?
In unserer abendländischen Kultur kamen Duftwässer erst durch die Kreuzzüge in unsere Breitengrade. Aber Obacht: Die Benutzung von Parfum galt zur Zeit der Christianisierung als unkeusch und anbiedernd. Ein angenehmer Geruch wurde jedoch schon immer als Ausdruck von Gesundheit und Wohlbefinden verstanden. Immerhin, daran hat sich bis heute nichts geändert. Und mal ehrlich: Wenn ich in der U-Bahn stehe, dann kommt mir so manch billige Parfumwolke auch frivol und unkeusch vor…

Igittigitt: Sprühen statt Waschen
Die ersten ätherischen Öle entstanden im 15. Jahrhundert und schon zwei Jahrhunderte später konnte man aus Wein Alkohol destillieren, um diesen als Grundlage für Duftwässer zu verwenden. Das Parfum erlebte einen regelrechten Hype, war sehr teuer und wurde an den Königshäusern teilweise als Ersatz für regelmäßiges Waschen verwendet. Gibt es wohl Menschen, die immer noch so verfahren? Unsere heutige Vorstellung von Parfum konnte sich jedenfalls erst mit dem Korsen Francois Coty entwickeln, der synthetische und natürliche Inhaltsstoffe mischte und somit als „Erfinder“ des modernen Parfums gilt.

Heute gibt es über 1000 Parfums auf dem Duftmarkt zu erschnuppern. Jedes Jahr erscheinen über 200 neue Düfte, von denen nach durchschnittlich drei Jahren aber 97 Prozent aus Mangel an Käufern wieder eingestellt werden. Eine wahnsinnige Zahl! Gut, dass es den ausgesuchten Düften auf meinduft.de nicht so geht. Wieder was gelernt!

Ein schönes Wochenende.

Eure Jenny

Video: Parfum-Museum Barcelona