Erst kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass die Pflaume rein botanisch gesehen zur Familie der Rosengewächse gehört. Obwohl ich es überraschend fand, schien es mir bei längerer Betrachtung eine Erklärung dafür zu sein, dass gerade diese Frucht eine so einzigartige Bedeutung in der Welt der Parfumkunst besitzt. Schließlich wirkt das Pflaumenaroma, anders als andere fruchtige Noten, immer ein wenig wärmer und intensiver als übliche Fruchtdüfte. Ein klarer Apfelduft etwa riecht meist auch wirklich nur nach grünem Apfel, knackig, frisch und nichts anderes. Er will auch nicht mehr sein. Parfums mit Pflaumennoten dagegen sind zwar hell und erfrischend, besitzen dabei aber zugleich eine Tiefe und Sinnlichkeit, die sie deutlich von anderen fruchtigen Parfums abhebt. Und als ich nun die Sache mit den Rosengewächsen erfuhr, dachte ich mir: „Aha, deshalb also …“

Auch die Vorstellung, unter einem Pflaumenbaum zu sitzen und die herrlichen Düfte einzuatmen, hat nicht nur etwas sommerlich-leichtes, sondern auch etwas anheimelnd-idyllisches. Und weckt nicht der Gedanke an einen leckeren Pflaumenkuchen oder „Zwetschgendatschi“ sofort Erinnerungen an die Kindheit, an wonnevolle Stunden bei der Großmutter im Garten, an opulent gedeckte Kaffeetafeln? Verwöhnen und Geborgenheit schenken – ein Aspekt der Weiblichkeit. Ein anderer ist natürlich die Kunst der Verführung, die Sinnlichkeit und Erotik, die viele allein schon mit der prallen Form der Pflaume, mit ihrem saftigen und süßen Geschmack verbinden. Ich glaube, in dieser besonderen Kombination aus Wärme und Sex-Appeal liegt das Geheimnis des Pflaumenaromas, eine Verbindung, die interessanterweise ja auch wieder auf die Rose zutrifft.

Inbegriff des Femininen ist diese ganz besondere Frucht also in jeder Hinsicht, und so kommt es auch nicht von ungefähr, dass Pflaumennoten in der Kunst der Parfumherstellung gerne mit floralen Aromen kombiniert werden. Auch die Verbindung von Vanille und Pflaume ist häufig zu finden. Eine wirklich einzigartige Interpretation dieses Duftthemas liefert Montale Parfum Dark Purple, einer der spektakulärsten und aufregendsten unter den exklusiven Düften aus dem Luxushaus Montale Paris. Bei diesem Duft wird in der Kopfnote nämlich zunächst der fruchtige Charakter durch eine Kombination mit Orange unterstrichen. Die zarten und blumigen Akzente kommen erst in der Herznote zum Tragen, in der Rose (!), Geranie, Patschuli und rote Früchte eine wichtige Rolle spielen. Die Basisnote dann betont die sinnliche Seite mit Ambra und weißem Moschus, lässt aber durch die Beigabe von Teakholz keinen schweren Charakter, sondern eine erdig-warme Atmosphäre aufkommen. Montale Parfum Dark Purple ist für mich der interessanteste Pflaumenduft, den ich jemals kennengelernt habe. Wie raffiniert ist der mehrmalige Einsatz weiterer Früchte in Kopf- und Herznote, um dann doch das Feminine mit Patschuli und Ambra zu betonen! Dieser Duft ist ein orientalischer Traum, ein Aphrodisiakum, das verführt, ohne jemals die Grenze zum Schwülen zu streifen.

Den Flakon, der diesen außergewöhnlichen Duft angemessen repräsentiert, müsst Ihr Euch einfach selbst auf www.meinduft.de ansehen. Er ist perfekt! Violett-Metallic, was für eine Farbe! Eine Farbe, die genau wie der Duft in Gefahr wäre, ins Schwülstige umzuschlagen, wäre die Form des Flakons nicht so klassisch und schlicht, als hätte ein Bauhaus-Designer sie entworfen. Allein, um mein Bad mit diesem Flakon zu schmücken, möchte ich diesen Duft unbedingt haben … wie gut, dass bald Weihnachten ist!

Bis zum nächsten Mal, Eure Susanne

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